Studienreise ins Drei-Länder-Eck Luxemburg, Lothringen und Saarland

Eine dreitägige Reise in die Gründungsphase der Europäischen Union und ihr heutiges Wirken führte vierzig Europainteressierte ins Saarland, nach Luxemburg und Metz. Geplant wurde sie Ende Oktober von der Europa-Union Hochtaunus, deren Vorsitzende Hildegard Klär gleichzeitig Organisatorin und Reiseleiterin war.

Die Reisegruppe im EU-Rechnungshof

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Jedes einzelne der sechs Ziele hätte für eine doppelt so lange Studienfahrt dienen können. Schon auf der Hinfahrt erhielten wir mit dem Ziel Luxemburg einen tiefen Blick in das Innere einer der heutigen Institutionen der EU. Unser erster Besuch führte uns in den Europäischen Rechnungshof, wo wir aus erster Hand von einem Mitarbeiter in die Aufgaben dieser Einrichtung eingeführt wurden. Ihre wichtige Aufgabe ist, vorschriftswidrig ausgegebene Mittel der EU in den Mitgliedsstaaten dingfest zu machen. Dass Fördergelder, die aus unterschiedlichen Programmen in die Mitgliedstaaten stammen, nicht immer korrekt ausgegeben werden, ist bekannt. Manchmal durchaus auch absichtlich. Wie aus dem neuesten jährlichen Kontrollbericht des Rechnungshofes hervorgeht, ist die Fehlerquote im vergangenen Haushaltsjahr auf 5,6 Prozent angestiegen, das Jahr davor waren es dagegen nur 4,6 Prozent. Es gibt dennoch auch Fehler, wenn keine böse Absicht besteht, so erfuhr es die Reisegruppe, wenn z.B. großer Zeitdruck auf den Behörden bei der Ausgabe der zugestandenen Mittel lastet.

Der zweite Tag führte uns innerhalb kurzer Zeit von Saarbrücken, wo wir übernachteten, nach Metz direkt in die Gründungszeit der Europäischen Union. Auf kurvenreichen Sträßchen landeten wir mit unserem Bus in Scy-Chazelles, einem kleinen Ort angrenzend an die Stadt Metz. Hier hat Robert Schuman, damaliger Außenminister Frankreichs, während eines Wochenendes im April 1950 die Kühnheit besessen, einen „gewagten Plan“ zu entwerfen, der den Lauf der Geschichte ändern sollte. Die Anregungen dazu hatte er von Jean Monet, einem französischen Wirtschaftsfachmann, erhalten. Bekannt geworden ist der Plan unter dem Namen Schuman-Plan, der später in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staatsmännern die Bedingungen für den dauerhaften Frieden in Europa geschaffen hat.

1924 kaufte Schuman seine typisch lothringische Bleibe. Die Gebäude und Gärten sind sehr „geradeaus“ streng angelegt und doch harmonisch in die Landschaft integriert. Heute ist das Haus ein Museum mit alten Möbeln aus der Zeit und mit einer Ausstattung der Zeit entsprechend. Auf dem Bürotisch von Schumans Arbeitszimmers liegt eine Originalkopie des Textes seiner bedeutenden Rede, die er in einer Pressekonferenz als damaliger Außenminister am 9. Mai 1950 gehalten hat. Mit unserem Besuch in diesem Haus und dem Museum erhielten die Mitreisenden einen guten Eindruck über diesen alleinlebenden, sehr bescheidenen Mann, der einsam in der wunderschönen Umgebung seines Hauses bis zu seinem Tod gelebt hat.  Mit einer 20-minütigen Kinodokumentation mit vielen Originalaufnahmen gab es weitere bewegende Bilder aus seinem Leben zu sehen. 1963 starb er in seinem Haus. Direkt gegenüber liegt die Kirche St. Quentin aus dem 12. Jahrhundert. Sie wurde zu einem „Historischen Monument“ ernannt, in dem der „Vater Europas“ seine letzte Ruhestätte endgültig gefunden hat.

Eine Reise dorthin ist empfehlenswert. Man erlebt sehr nah einen Mann, dem nichts wichtiger war, als ein gemeinsames Europa auf den Weg zu bringen, der keinen Luxus wollte, der in Luxemburg als deutscher Staatsbürger geboren wurde, später dann – in Metz lebend – Franzose wurde und als Muttersprache Letzeburgisch sprach. Mit ihm lebte im Haus eine „gouvernante“, die ihn versorgte. Ein Auto wollte er nie besitzen und wollte auch meistens nicht vom Bahnhof bei der Heimkehr vom Arbeitsplatz in Paris nach Hause gefahren werden. Er liebte das einfache Leben, war äußerst belesen und ein sehr frommer Mann. All das konnte unsere Reisegruppe bei ihrem Besuch sehr gut nachvollziehen.

Zwei weitere bemerkenswert Aufenthalte am dritten Tag auf der Rückreise waren das Kloster in Tholey, eine halbe Stunde entfernt von Saarbrücken. Es ist das älteste deutsche Kloster. Bewundernswert sind die teilweise sehr realistischen, noch nicht sehr alten Glasfenster in der Klosterkirche. Beeindruckend erlebten einige aus der Reisegruppe am Ende unseres Aufenthaltes ein Mittagsgebet mit sieben der in dem Kloster lebenden elf Benediktinermönche, die statt Sprache gemeinsam im gregorianischen Gesang im Altarraum beteten. Letzter Stopp war Bad Dürkheim: Ein Besuch bei einer großen Werkstatt für Menschen mit Behinderung, die zusammen mit einem Bio-Weingut von 27 ha durch die „Lebenshilfe“ betreut wird. Nach einem Glas Wein ging es dann endgültig mit vielen Eindrücken und mit noch viel mehr Neugelerntem auf die Heimfahrt.