Newsletter 07+08/2022

Liebe Mitglieder, liebe Interessierte!

 

Auch kurz vor den Sommerferien gibt es wieder einiges zu berichten:

Wir starten mit Informationen zum Sender ARTE, der mittlerweile seit 30 Jahren besteht und eigentlich nicht wegzudenken ist – aber seine Finanzierung könnte wackelig werden…

Weiter geht es in den Westerwald – normalerweise pfeift der Wind dort ja so kalt! Aber „heiße“ Diskussionen zu den Zukunftsperspektiven der EU sind dort keine Ausnahme mehr! Unser Mitglied Hartmut Klein berichtet von seiner ersten Seminarteilnahme im Westerwald, genauer im Europahaus Bad Marienberg!

Noch etwas weiter weg hat es mich selbst verschlagen: auf die grüne Insel Irland! Von meiner Reise durch Irland und Nordirland berichte ich in diesem Abschnitt.

Normalerweise endet der Europäische Wettbewerb für Schulen mit der Auszeichnung der Gewinner. Im Hochtaunuskreis kam leider Corona dazwischen.

 

Ich hoffe auf friedlichere Zeiten und verbleibe mit europäischen Grüßen

Ihre/Eure Hildegard Klär

 

+++ Seit 30 Jahren gibt es europäisches Fernsehen! +++ Bericht von einem Seminar im Europahaus Bad Marienberg +++ Boris Johnson geht – „Good News“ für Nordirland??? +++ 69. Europäischer Wettbewerb für Schulen endet +++

 

Der Sender ARTE wird 30 Jahre alt – ein Geschenk für Europa

Es gibt europäisches Fernsehen, geschaffen vor dreißig Jahren als ein deutsch-französischer Kultursender. Der Vertrag – unterschrieben von Helmut Kohl und Francois Mitterand – sollte nach dem Fall von Mauer und eisernem Vorhang ein besonderes Signal senden für das entstehende grenzenlose Europa. ARTE hat sich inzwischen zu einem echten europäischen Sender gewandelt und wartet mit einem Programm in sechs Sprachen auf: Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Polnisch! Der Sitz ist in Straßburg in unmittelbarer Nachbarschaft des Europäischen Parlaments. Vermittlung, Verständigung, Austausch über die nationalen Grenzen hinaus, das ist das Ziel und es geht inzwischen weit über die deutsch-französische Kultur hinaus. Das Netzwerk soll um weitere Sprachen ausgebaut werden. Viele sind der Meinung, dass das Programm einzigartig in der hiesigen Medienlandschaft ist. Der Sender zeigt nicht nur Filme, Experimental- und Kurzfilme. Auch Klassiker flimmern über den Schirm. Die Mediathek ist einzigartig und die Sozialen Medien locken nicht nur die Jüngeren. Die Wissensvermittlung, das Aktuelle in Politik, Wirtschaft und Umwelt sind inzwischen Schwerpunkte in unseren schwierigen Zeiten geworden. Die Qualität der Dokumentarfilme muss man anderswo suchen. Das Programm von deutscher Seite bilden die Beiträge der neun Landesrundfunkanstalten, also auch des Hessischen Rundfunks. Eigene Sendungen werden zusätzlich in deutsch-französischer Zusammenarbeit in Straßburg erstellt. Auf der französischen Seite gibt es Sendungen, die auf deutscher Seite synchronisiert übernommen werden und andersherum natürlich auch. ARTE wurde als Friedensprojekt von der deutschen und der französischen Regierung geschaffen. In einem krisenerschütterten Europa sorgt ARTE heute in besonderer Weise für den europäischen

Zusammenhalt und beweist, dass unsere gemeinsame Lebenskultur es verdient, sich weiter über nationale Grenzen hinweg zu verbreiten.

Sorge macht man sich derzeit auf deutscher Seite, weil der wiedergewählte französische Präsident Emmanuel Macron den bisherigen Rundfunkbeitrag der Franzosen abschaffen will, um die Kaufkraft zu fördern. Da der gemeinsame Vertrag vorsieht, dass die Finanzierung des Senders von beiden Seiten in gleicher Höhe erbracht wird, ist die finanzielle Grundlage auch für die deutsche Beitragsseite unsicherer geworden. Entscheidungen muss es bis zum Ende des Jahres geben. Der Schwarze Peter liegt bei Macron. Die deutsche Regierung sollte Druck ausüben.

Seminar über die Zukunft Europas im „heißen“ Westerwald

Für das Wochenende 16./17. Juli luden die Europa-Union-Landesverbände Rheinland-Pfalz und Hessen zu einem von Förderverein und Programmbeirat des Europahauses Bad Marienberg vorbereiteten Seminar in ihrem Hause ein:

Zukunftsperspektiven der EU und ihre Vermittlung“ war die Überschrift für folgende Themen

  • Wo stehen wir in der Europäischen Union? Einführung und Diskussionsleitung durch Dr. Otto Schmuck, Vorsitzender Europahaus Bad Marienberg e.V.
  • Die Konferenz zur Zukunft Europas – Was wurde beschlossen und wie geht es weiter mit der Mobilisierung? Einführung und Diskussionsleitung durch Thomas Mann, Landes-Vorsitzender E-U Hessen
    • gefolgt von vertiefenden Diskussionen in 3 Arbeitsgruppen
  • Wie vermittle ich Europa? – Aktuelle Themen und Formate der europapolitischen Bildung. Berichte und Informationen durch
    • Dr. Norbert Herhammer, Landes-Vorsitzender E-U Rheinland-Pfalz und
    • Thomas Krohn, Vorsitzender des Programmrats Europahaus Bad Marienberg
  • Von Marienberg nach Brüssel – Erfahrungen im Europäischen Parlament. Gespräch mit Karsten Lucke, MdEP

Die Anfahrt nach Bad Marienberg führte mich durch die schönen Landschaften des Hintertaunus über Weilburg und Rennerod auf die Höhen des Westerwaldes. Das Europahaus liegt zentral in Bad Marienberg oberhalb des Kurparks. Ein beeindruckendes Seminarhaus, untergebracht in einem historischen Landratsgebäude, und direkt nebenan das große Gästehaus mit Speisesaal und Freizeiträumen. Gemäß Wetterbericht waren viel Sonnenschein und warme bis heiße Temperaturen zu erwarten. Perfekt für einen anregenden Meinungs-austausch über die Zukunft Europas im Angesicht von Energie-, Ernährungs- und Klimakrise, Pandemie und Krieg, dazu eine Vielfalt an politischen Entwicklungen, die nicht immer zu Gunsten des europäischen Kurses laufen.

Nach der Begrüßung und einem kurzen Abriß über die Entstehung und Widmung der Einrichtung „Europahaus“ hatten die 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen sowie die Referenten Gelegenheit, sich sowohl persönlich als auch ihre „Europa-Motivation“ vorzustellen. Danach ging es direkt über zur Tagesordnung. Mit meiner noch recht kurzen Mitgliedschaft in der Europa-Union waren die detailreichen Ausführungen der Referenten und auch die anschließenden Diskussionen für mich nicht nur sehr interessant sondern auch sehr hilfreich, die doch sehr komplexen europäischen Strukturen und Abläufe noch besser zu verstehen und einordnen zu können!

Die Mahlzeiten wurden im Gästehaus eingenommen. Das Frühstücksbuffet entsprach dem eines guten Hotels und auch die Mittagsmahlzeiten waren köstlich und reichlich. Der Clou war das „Abendessen“ am Samstag: im Garten gab es Steaks und Bratwürste vom Holzkohlegrill sowie eine Auswahl an Beilagen und Salaten… Mhmm…

Freuen wir uns auf das nächste Seminar!

von Hartmut Klein

„Bye Bye Boris“ – Hoffnung auf ruhigere Zeiten in Nordirland?

Unsere Kreisvorsitzende hat nicht vor, einen langen Reisebericht von einer irisch-nordirischen Rundreise zu schreiben. Die Schönheit und Einzigartigkeit der Landschaft wären es wert, 12 wunderschöne Tage auf dieser Insel am westlichsten Rand der Europäischen-Union, das zu tun. Der politisch-historische Aspekt soll dennoch geschildert werden, weil er tagesaktuell werden könnte. Es gibt erneut eine gewisse Spannung zwischen beiden Teilen der irischen Insel. Sie wird angetrieben durch Boris Johnsons Wunsch, das Brexit-Protokoll für Nordirland nicht mehr anzuerkennen, was dazu führen würde, dass es wieder zu einer sichtbaren Grenze kommt zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland.

Die zwei Tage in der nordirischen Provinz Ulster erinnerten mit den zahlreichen britischen Fahnen nicht nur daran, dass die Königin nunmehr 70 Jahre „regiert“ und das Volk das feiert, sondern auch dass der nordwestliche Zipfel, der auf englisch Northern Ireland heißt und seit dem Brexit nicht mehr zur Europäischen Union gehört, ein Unruhespot ist. Die heißen Auseinandersetzungen, bis es zu einer Art „Frieden“ kam, liegen nicht mal 25 Jahre zurück und der Brexit schürt erneut die Emotionen: Auf der einen Seite die irischen Katholiken, in der Vergangenheit über Jahrhunderte von England unterdrückt, auf der anderen Seite die „Unionisten“ bzw. „Protestanten“, die Mitglieder der Anglikanischen Kirche sind. Es rumort, auch weil die Protestanten und die ihr nahestehende Partei DUP eine erneute Regierungsbildung nach den Wahlen im Frühjahr blockieren. Brüche werden wieder sichtbar, die auch mit Arm und Reich tun haben, und viele Iren in die Migration vor allem in die USA getrieben hatten. Wer in diesen Tagen von der Republik Irland über Derry, die Nordiren nennen es trotzig „Londonderry“, in den britischen Teil einreist, bemerkt die Grenze überhaupt nicht. Nur das Handy meldet sich, um mitzuteilen, dass das kostenlose Roaming auch hier gilt wie in der EU. Bei der Stadtführung sieht man, wie die Stadtarchitektur in Derry und Belfast die deutliche Trennung der beiden Bevölkerungsteile markiert. In Derry, aber auch in Belfast, wohnen die ärmeren Katholiken heute noch in den zahlreichen Zeilen aus kleinen roten Backstein-Reihenhäuschen, die wohlhabenderen Unionisten in großzügigen Bauten auf der anderen Seite der jeweiligen Stadt, manchmal sogar von einem Fluss getrennt. Auf großen „Billboards“ wird die Stimmung auf der Unionisten-Seite besonders deutlich. Da steht in riesigen Buchstaben: NO SURRENDER!

Man kann nur hoffen, dass Johnsons Nachfolger oder Nachfolgerin die Asche hütet und nicht das Feuer entzündet.

Corona hat zugeschlagen – Preisverleihung des Europäischen Wettbewerbs im HTK abgesagt

Leider musste die Veranstaltung zur Ehrung aller Preisträgerinnen aus dem Hochtaunuskreis in Königstein an der St. Angela-Schule abgesagt werden. Damit fiel auch die Ehrung für die Schüler/innen der Humboldtschule in Bad Homburg aus. Das hat bedauerlicherweise insgesamt rd. 90 Jugendliche getroffen, weil nicht nur unsere Kreisvorsitzende ,sondern auch eine verantwortliche Kunstlehrerin positiv getestet wurden.

In Hessen nahmen am 69. Europäischen Wettbewerb 49 Schulen teil, die 342 Preise erhielten, drei davon Spitzenpreise. Insgesamt wurden dazu noch 286 Teilnahme-Urkunden ausgegeben für lobenswerte Arbeiten. In Deutschland waren es dieses Jahr mehr als 58.000 Schülerinnen und Schüler. Sie präsentierten ihre Ideen und Visionen zu dem Thema “Unser ökologischer Fußabdruck“ in Form von bildnerischen Werken, Texten, Videos oder Musik. Dazu gehörte durchaus auch Kritik und Ängste, die manche in ihren Werken und Projekten vor Ort zum Ausdruck brachten.

Ein bisschen mehr Glück hatten die Schülerinnen und Schüler, die sich Spitzenpreise und erste Preise auf Bundesebene mit ihren künstlerischen Werken erarbeitet hatten. Ihnen konnten die Preise, u.a. vom Bundespräsidenten oder Bundeskanzler gestiftet, Anfang Juli im Hessischen Landtag übergeben werden. Auch wenn der hessische Europastaatssekretär Uwe Becker wegen Infektion ausfiel, stand zum Glück unser Landesvorsitzender Thomas Mann zur Verfügung, der die Preise mit der zuständigen Staatssekretärin den jungen Preisträgern und Preisträgerinnen überreichte. Daran schlossen sich ein Imbiss und Führungen durch das Stadtschloss in Wiesbaden an.